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Promberger, M.; Böhm, S.; Heyder, Th.; Pamer, S.; Strauß, K. (2002): Hochflexible Arbeitszeiten in der Industrie. Berlin: Edition Sigma.

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InstitutionUniversität Erlangen-Nürnberg, Institut für Soziologie und Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum
ProjektbeteiligtePromberger, Markus; Böhm, Sabine; Heyder, Thilo; Pamer, Susanne; Strauß, Katharina; Schulte, Birgit; Dreher, Christoph
ProjektcharakterFörderung durch Hans-Böckler-Stiftung
weitere Veröffentlichungen
ProjektlaufzeitApril 2000 - Mai 2001
ErhebungszeitraumKeine Angaben
Fälle5 Fälle = 5 Betriebe
Auswahl5 ausgewählte Betriebe der metallverarbeitenden Industrie. "Die Untersuchung soll sich (...) auf Industriebeschäftigte konzentrieren, da in der Industrie die Arbeitszeitflexibilisierung (..) besonders schnell und drastisch verlief" (S. 26). "Als Beispielbranche wurde die metallverarbeitenden Industrie gewählt, zum einen wegen ihrer nun schon mehr als 40 Jahre währenden arbeitszeitpolitischen Vorreiterrolle für die gesamte Industrie, wegen ihrer konfliktreichen und gewissermaßen unter öffentlicher Beobachtung stattfindenden und gut erforschten Flexibilisierungsgeschichte, aber auch wegen der starken Weltmarktabhängigkeit und ihrer Schlüsselrolle im Wirtschaftsgeschehen" (S. 26).
Erhebung1.) Auswahl der Untersuchungsbetriebe in einem zweistufigen Auswahlverfahren, basierend auf dem Vorgängerprojekt über die betriebliche Umsetzung der 35-Stunden-Woche in der Metallindustrie (S. 29ff.); 2.) Die Fallstudien selbst basieren auf Expertengesprächen und Beschäftigteninterviews (S. 29ff.): es wurden Experteninterviews mit Managementvertretern und Betriebsräten geführt, sowie in jedem Betrieb zwölf Beschäftigte interviewt, außerdem wurden Dokumentenanalysen durchgeführt.
ForschungsgebietAngestellte; Arbeitszeit; Subjektivierung; Arbeitsgestaltung; Arbeitsbelastung
FragestellungFokus: Spannungsfeld von Arbeitszeitflexibilisierung und Spielräumen zur individuellen Arbeitszeitgestaltung: Welche Auswirkungen haben flexible Arbeitszeitformen auf die Vereinbarkeit der betrieblichen mit außerbetrieblichen Tätigkeits- und Lebensbereichen und inwieweit können Bedürfnisse der Beschäftigten nach aktiver Einflussnahme im Arbeitsalltag umgesetzt werden? (S. 22) Dazu folgende Teilfragen (S. 25): "Welche informellen und formellen, materialen und prozeduralen Normen bestehen hinsichtlich der Arbeitszeitgestaltung und wie sind sie in der betrieblichen Kultur verankert? Über welche Anspruchsrechte können die Beschäftigten verfügen und auf welche prozeduralen Vorgaben und betrieblichen Strukturen können sie sich dabei berufen? Welche Personen oder Institutionen im Betrieb 'überwachen' diese Vorgänge und wem kommt im Konfliktfall Schiedsrichterfunktion zu? In welche alltagspraktischen Gestaltungsoptionen übersetzen sich die betrieblichen Prozeduren für die Beschäftigten? Mit welcher betrieblichen Leistungs- und Belastungssituation der Beschäftigten stehen die Arbeitszeitregelungen in Zusammenhang? Ermöglichen die alltagspraktischen Gestaltungsoptionen eine bessere Bewältigung der betrieblichen Anforderungen oder tragen sie möglicherweise zu einer Verschärfung der Arbeitsbedingungen bei? Welche ermöglichenden und einschränkenden Bedingungen ergeben sich aus den Produktionsstrukturen und Arbeitsorganisation? Welche Rolle spielen dabei neue Formen der Arbeitsorganisation wie z.B. Gruppenarbeit?"
TheoriebezugZunächst wird kurz die Geschichte der Arbeitszeitflexibilisierung beschrieben und dann auf die aktuelle Diskussion sowie den Forschungsstand eingegangen (z.B. Schmidt/Trinczek 1986; Ellguth et al. 1989; Herrmann et al. 1999; Gross et al. 1991; Bauer et al. 1994; Jürgens/Reinecke 1998).
ErgebnisseDie Untersuchungsergebnisse werden zu Beginn des Buches in einigen knappen Thesen vorgestellt (S. 27f.): 1.) "Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten hochflexibler Arbeitszeiten spielen in den Intentionen von Betriebsräten und Management eine nachrangige Rolle, vorrangige Ziele sind Flexibilisierung, Kostensenkung und standort- bzw. Arbeitsplatzerhalt. Damit hängt zusammen, dass persönliche Gestaltungsspielräume zwar formal vorhanden sind, ihre Nutzung jedoch in der betrieblichen Praxis oft periodisch, bereichsweise, konjunkturell oder chronisch stark eingeschränkt ist, wogegen sich nur wenige Betriebsräte engagieren" (S. 27). Von den Beschäftigten wird dies negativ bewertet. 2.) Hinsichtlich der Nutzbarkeit formal vorhandener Gestaltungsspielräume bestehen (...) starke Zusammenhänge mit der Auslastung der betrieblichen Kapazitäten" (S. 27). 3.) "Der Trend zur Arbeitszeitflexibilisierung scheint unumkehrbar, eine weitere Ausbreitung flexibler Arbeitszeiten auch in der industriellen Produktion steht an, ebenso eine weitere Ausweitung bestehender Flexibilitätsspielräume" (S. 28). 4.) Betriebsräte sind bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten der Gefahr eines schleichenden Einflussverlustes ausgesetzt, der durch die Preisgabe materialer Gestaltungsnormen der Arbeitszeit entsteht. Die Aushandlung von Arbeitszeit verlagert sich auf die 'shop-floor'-Ebene. Mitgestaltung des Betriebsrats ist also dringlich, nur müssen die Instrumente sich ändern, indem materiale Normen durch prozedurale Normen ersetzt werden. Am Ende des Buches werden noch mögliche Chancen, Risiken und Handlungsmöglichkeiten sowohl für die Beschäftigten, als auch für die Betriebspolitik aufgezeigt.
Erkenntnisziel"Eine empirische Analyse der Situation von Industriebeschäftigten in hochflexiblen Arbeitszeitsystemen, gerade auch in der Produktion, war daher das Ziel unserer Forschungsarbeit" (S. 25). "Uns interessiert demgegenüber vor allem das Spannungsfeld zwischen betrieblichen Flexibilisierungsinteressen und persönlichen Gestaltungsoptionen der Beschäftigten unter den Bedingungen und Handlungskontexten flexibler industrieller Produktion. (...) Der Bericht soll Auskunft über die betrieblichen Verfahrensweisen und faktisch nutzbaren Gestaltungsoptionen von Industriebeschäftigten in hochflexiblen Arbeitszeitarrangements geben. (...) Mit den Ergebnissen dieses Projekts möchten wir zur Diskussion darüber beitragen, wie eine bedürfnisgerechtere, interessenpolitisch ausgeglichene, sozialverträgliche Gestaltung von hochflexiblen Arbeitszeitmodellen als Kompromiss zwischen unternehmerischen Anforderungen und Beschäftigteninteressen aussehen könnte" (S. 27).
Selbstdefinition"Fallstudien" (S. 9), "Fallbeispiele" (S. 9), "Betriebsfallstudien" (S. 29)
MethodenbegründungEs gibt ein Methodenkapitel (S. 33ff.): "Aus methodologischer Perspektive besitzen vier Themen besondere Relevanz für unsere Projektkonstruktion" (S. 33): Experteninterview, Beschäftigteninterview, die Fallstudie und die Generalisierbarkeit. Zunächst werden kurz die methodologischen Besonderheiten des Experteninterviews und des themenzentrierten Interviews dargestellt. Dann wird näher auf den Forschungsansatz "Betriebsfallstudie" eingegangen: "Die Betriebsfallstudie industriesoziologischer Provenienz ist im strengen Sinne kein eigenständiges Verfahren der Datengewinnung, sondern eher ein Ansatz der Forschungs- bzw. Feldorganisation sowie eine Strategie der Datenzusammenführung, Auswertung und Interpretation. (...) Sie verschmilzt die in verschiedene Verfahren gewonnenen Daten zu einem einheitlichen Befund, einem Profil des untersuchten Betriebes im Hinblick auf die zu untersuchenden Fragestellung. Gewissermaßen die ergänzende Antipode zur Einzelfallstudie ist die quervergleichende Analyse thematischer Teilaspekte über Fälle hinweg" (S. 35). Weiterhin wird auf die englischsprachige Fallstudiendiskussion eingegangen (z.B. Yin), dabei auf Ein-Fall- und Mehr-Fall-Studien, und deren Bedeutung in der Industriesoziologie. Dann wird das Problem der Generalisierbarkeit erläutert und dabei auf die wichtige Bedeutung der Samplezusammensetzung eingegangen. Da die Betriebsauswahl durch eine bewusste Stichprobenziehung und bei den Interviewpartnern auf ein großes Spektrum der Lebens- und Arbeitssituation geachtet wurde, gehen die Autoren davon aus, dass die erhobenen Ergebnisse zwar nicht generalisierbar sind, aber über "sich selbst hinaus von Bedeutung sind" (S. 39).
Auswertung"Die Experteninterviews wurden auf Tonband aufgezeichnet und anschließend selektiv protokolliert" (S. 30). Die Beschäftigteninterviews "(...) wurden auf Tonband aufgezeichnet und anschließend vollständig transkribiert. Die Auswertung der Beschäftigteninterviews erfolgte mittels mehrstufiger Verdichtungs- und Interpretationsschritte, bei denen teilweise ein EDV-gestütztes Textaufbereitungssystem genutzt wurde" (S. 33).
FalldarstellungDie fünf Untersuchungsbetriebe werden nacheinander vorgestellt, dabei wird jeweils auf die Strukturdaten und Rahmenbedingungen, auf hochflexible Arbeitszeitmodelle, auf innerbetriebliche Austauschbeziehungen und auf hochflexible Arbeitzeitmodelle in der betrieblichen Praxis eingegangen. Im weiteren Buch werden immer wieder Zitate genannt und Beispiel aus den Fallstudien aufgeführt, allerdings nicht mehr nach Betrieben geordnet.
EingabeTUM

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