Abfragedetails

Suche


Veröffentlichung

Senghaas-Knobloch, E.; Nagler, B.; Dohms, A. (1996): Zukunft der industriellen Arbeitskultur. Münster: Lit Verlag.

PDF-Datei Inhaltsverzeichnis

Details

InstitutionUniversität Bremen
ProjektbeteiligteSenghaas-Knobloch, Eva; Nagler, Brigitte; Dohms, Annette
ProjektcharakterFörderung des Forschungsvorhabens durch die Hanns-Lilje-Stiftung in Hannover
weitere VeröffentlichungenLange, O.; Senghaas-Knobloch, E. (Hg.) (1996): Richtig oder gerecht? Arbeitserfahrungen und Lebensziele. Herausforderungen für Kirche und Arbeitswelt, Loccumer Protokolle 4/96, Ev. Akademie Loccum. Senghaas-Knobloch, E.; Dohms, A.; Nagler, B. (1996): Industrielle Gruppenarbeit aus der Erlebnisperspektive. Herausforderungen an die beruflichen Selbstbilder, in: Arbeit. Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik, Jg. 5, H. 1, S. 41-64. Senghaas-Knobloch, E. (1999): Anerkennung und Verwertung personaler Qualitäten. Auswirkungen neuer Managementkonzepte auf die betriebliche Lebenswelt, in: Journal für Psychologie, Jg. 7, H. 3, S. 77-89. Senghaas-Knobloch, E. (2008): Widerständigkeiten von Arbeitskulturen - am Beispiel der Einführung von Gruppenarbeit für Meister in der industriellen Produktion, in: E. Senghaas-Knobloch: Wohin driftet die Arbeitswelt? Wiesbaden, S. 131-152.
ProjektlaufzeitKeine Angabe
Erhebungszeitraum1994 und 1995
Fälle2 Fälle = 2 Werke
Auswahl2 Werke der Automobilindustrie; Auswahlkriterien der Branche siehe S. 13f.
Erhebung1.) Erschließung des Forschungsfeldes durch 70 Expertengespräche, Betriebsbegehungen und beobachtende Teilnahme an Gruppengesprächen; 2.) 6 Forschungsseminare zum Thema "Herausforderung Gruppenarbeit": 1,5-tägige Dauer, narrative Einzel- und Gruppeninterviews, Gruppendiskussionsverfahren, Rollenspiele.
ForschungsgebietGruppenarbeit/Arbeitsautonomie; Arbeit und Identität; Gesellschaftsbewusstsein; Reorganisation
FragestellungThese: "In der gegenwärtigen betrieblichen Umstrukturierung industrieller Produktion werden dies bisher herrschenden tayloristisch-fordistischen Muster der Arbeitszergliederung, der betrieblichen Zusammenarbeit und des Verhältnisses von Arbeit und Technik tiefgreifend in Frage gestellt. In der bis vor wenigen Jahren unangefochtenen Strategie einer technisch orientierten Rationalisierung wurden Menschen zu Restgrößen gemacht, um menschliche Schwächen zurückzudrängen oder gar auszuschalten. In den letzten Jahren wird auf Grund einer veränderten Marktsituation umgekehrt nach neuen Produktionsreserven gesucht: Im ganzheitlichen Erfassen von Situationen, im Improvisationstalent und in der Kreativität. Entsprechend richten sich die erklärten neuen Organisationsziele auf die Stärkung selbstverantwortlicher Kooperation und Innovationsfähigkeit" (S. 12). Leitende Fragen: "In dieser Zeit der großen Umstrukturierung ist bisher selten gefragt worden, wie sie erfahren und erlebt wird. Wie wird insbesondere Team- oder Gruppenarbeit in ihren zentralen neuen Charakteristika - Selbstregulierung und Aufgabenintegration - erlebt? Was geschieht in der eingespielten betrieblichen Arbeitskultur unter dem Druck der neuen Vorgaben? Welche Bedeutung hat die Konzeption der Gruppenarbeit für das berufliche Selbstbild der Beschäftigten und für die Art, wie sie ihr betriebliches Handeln motivieren und im betrieblichen Geschehen eine Orientierung finden? Gibt es jetzt andere Möglichkeiten als zuvor, persönliche Sinnansprüche in der industriellen Produktionsarbeit zur Geltung zu bringen? Wie vermitteln sich die bisherigen Arbeitserfahrungen mit veränderten Produktionskonzepten, betrieblichen Regeln, Machtbeziehungen und Formen der Konfliktbewältigung?" (S. 12f.)
TheoriebezugTaylorismus/Fordismus, Lean Production, Systemische Rationalisierung, Neue Produktionskonzepte. Gruppenarbeit wird in ihren Dimensionen vorgestellt und im Gefüge der Interessen und einer weiter gefassten Arbeitskultur verortet (S. 18ff.).
ErgebnisseDie Ergebnisse der Untersuchung werden in verschiedenen Kapiteln dargestellt. Es werden die Erlebnisperspektiven in der Industrieproduktion, in der Gruppenarbeit und in der Konfliktbearbeitung von Werkern und Werkerinnen und auch von Meisterinnen und Meistern aufgezeigt. Dabei lässt sich "(...) die Sphäre der Familie und Freundschaft nicht schottendicht von der Sphäre des Arbeitslebens trennen. Täglich werden die Grenzen zwischen diesen beiden Lebensbereichen überschritten" (S. 191). "Was Liebe für die Sphäre von Familie und Freundschaft bedeutet, ist Fairneß für die Sphäre der Arbeit. (...) Wie weit es eine Arbeitkultur prägen kann, hängt allerdings von den Rahmenbedingungen ab, unter denen die Beschäftigten Zusammenarbeit gestalten können. (...) Die Beschäftigten können die neuen Formen der Arbeitsorganisation ihrerseits nutzen, um der Arbeit einen neuen Sinn abzugewinnen und einen neuen Sinn zu geben" (S. 203).
Erkenntnisziel"Eine Untersuchung, die sich von diesen Fragen leiten lässt, versucht die unbefriedigende Kluft zwischen allgemein-soziologischen Strukturaussagen und allgemein-ethischen Reflexionen durch alltagspraktische Anschaulichkeit zu überbrücken" (S. 13). "Unser Vorhaben ist - wie deutlich wurde - kein industriesoziologischer Versuch, einen repräsentativen Querschnitt über vorfindliche Ansätze und Praktiken zur arbeitorganisatorischen Umstellung zu gewinnen oder Trendaussagen zu machen. Vielmehr geht es darum, aus der Perspektive von Werkern und Werkerinnen sowie von Meistern und Meisterinnen zu erkunden, welche Erfahrungen sie mit Gruppenarbeit machen, und wie die neuen strategischen Anforderungen zu den persönlichen Bedürfnissen und Wünschen passen, die die Beschäftigten in ihrer und an ihre Arbeit haben" (S. 35).
SelbstdefinitionDer Begriff "Fallstudie" wird nicht verwendet (von den Autoren aber als solche verstanden).
MethodenbegründungEs gibt ein Methodenkapitel, dass sich ausführlich mit dem explizit "qualitativen Forschungsansatz" und dem Forschungsdesign beschäftigt (S. 33-51). Ziel der ForscherInnen war es (im Sinne der interpretativen Soziologie, Giddens 1984) in die Arbeitserfahrungen und Lebensziele der Beschäftigten "einzutauchen" (S. 33). Die Forschungsfragen "(...) verlangen kommunikative Erhebungsmethoden, die es möglich machen, dass Beschäftigte, die im industriellen Kontext an Gruppenarbeit beteiligt sind, ihre Erfahrungen auszuloten und auf persönliche Wünsche und gemeinsame oder konfligierende Interessen beziehen zu können. Entsprechend bedarf es der Bereitstellung eines Forums, in dem möglichst optimale Bedingungen zur Thematisierung sensibler und problematischer Sachverhalte für die Beteiligten bestehen" (S. 35). Dies geschah in Form der sechs Forschungsseminare: "Die Seminare ermöglichten den teilnehmenden Beschäftigten aus der Industrie ein eigenständiges forschendes Lernen oder wurden von ihnen als Bildungsveranstaltung genutzt" (S. 35). Weiterhin werden die Wahl der Erhebungsmittel narratives Interview, Gruppendiskussion und Rollenspiel erläutert und die jeweiligen Vorzüge aufgezeigt (S. 35f.). Die "Forschungsseminare" werden dargestellt (S. 42ff.). Das Gruppenspiel als Erhebungsinstrument wird in einem separaten Kapitel noch einmal detailliert vorgestellt (S. 164ff.). "Die genannten Methoden (...) sind in besonderer Weise dazu geeignet, in der Sprache auffindbar zu machen, worin gemeinsame Erfahrungen und Übereinstimmungen bestehen, und wo Sichtweisen vorgetragen werden, die vom gemeinsamen Praxiskontext abweichen. Die Verallgemeinerbarkeit oder Repräsentativität der so erhobenen Befunde bezieht sich also auf den Typ von Situationen, die im Gespräch beschrieben werden. (...) Die Erfüllung wissenschaftlicher Objektivitätskriterien muss dabei in einer kommunikativen Forschungsmethodik anders gewährleistet werden als in einer am normativen Paradigma ausgerichteten empirischen Sozialforschung. Es geht hier nicht um eine Interpretation von Zahlen, denen nachträglich Aussagen zugeordnet werden, um die Interpretation zu illustrieren. Es geht im Kern um eine intersubjektiv nachvollziehbare Interpretation von Texten" (S. 37).
Auswertung"In den verschiedenen Gesprächs- und Erhebungsschritten entstehen Gesprächsprotokolle, die auf Tonband aufgezeichnet und transkribiert, dem Forscherteam als Texte zur weiteren Auswertung dienen" (S. 37). Es "(...) waren in allen Erhebungsschritten auch Phasen der Selbstauswertung bzw. Selbstreflexion vorgesehen, in denen die Diskussionsgruppen sich noch einmal in eine gewisse Distanz zu der Dynamik der Gesprächsgeschehens versetzen und aus dieser Distanz die wichtigsten Punkte hervorheben konnten. Die Ergebnisse dieser Selbstauswertungsprozesse in den Gruppen wurden meist in Gestalt von symbolisch verdichteten Darstellungen festgehalten" (S. 37). Für die interpretative Auswertung der Textprotokolle wurde die Methode der "Kernsatzfindung" (S. 38, Vollmerg 1988) verwendet. Für die Auswertung der Gruppenspiele wurde ein "eigenes komplexes Auswertungsverfahren mit drei Elementen" (S. 38) entwickelt. Detaillierte Darstellung der Durchführung der Gruppendiskussionen und Interpretation der Bildprotokolle auf S. 44ff. Dokumentationen und Textprotokolle im Anhang.
FalldarstellungDie zwei Werke werden einzeln vorgestellt, dabei wird besonders auf die Gruppenarbeitskonzepte eingegangen (S. 52ff.).
EingabeTUM

Zurück zur Abfrage