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Veröffentlichung

Kern, H.; Schumann, M. (1984): Das Ende der Arbeitsteilung? Rationalisierung in der industriellen Produktion. München: Verlag C.H. Beck.

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InstitutionSoziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI)
ProjektbeteiligteKern, Horst; Schumann, Michael
ProjektcharakterFörderung durch Stiftung Volkswagenwerk
weitere Veröffentlichungen
Projektlaufzeit1981-1984
Erhebungszeitraum1981-1983
Fälle3 Fälle = 3 Branchen
AuswahlBetrachtet werden drei "industrielle Kernsektoren": 1.) Automobilindustrie; 2.) Werkzeugmaschinenbau; 3.) Chemiebranche.
ErhebungDie Studie war als (offene) Follow-up-Studie zu Kern/Schumanns "Industriearbeit und Arbeiterbewußtsein" (1970) konzipiert (S. 14f.). Erhebungsverfahren (S. 333ff.): 1.) Gespräche im Management mit betrieblichen Experten sowie Betriebsratsmitgliedern: Informationsgespräche und ausführliche Problemerörterungen entlang branchenspezifischer Checklisten; 2.) Gespräche mit Arbeitern: explorative Interviews anhand fallspezifisch konkretisierten Leitfragen; 3.) Arbeitsplatzanalysen; 4.) Betriebsbegehungen; 5.) Sammlung von Sekundärmaterialien. Rückkopplung der Befunde und Schlußfolgerungen an die untersuchten Unternehmen. Aufschlüßelung nach Branchen: 1.) Automobilindustrie: Besuch von 11 Automobilwerken mit unterschiedlicher Intensität, 54 Gespräche mit Managern und Betriebsräten, 89 Gespräche mit Arbeitern, 2 Arbeitsplatzanalysen, 16 Betriebsbegehungen; 2.) Maschinenbau: 18 Gespräche mit Managern und Betriebsräten, 48 Gespräche mit Arbeitern, 3 Arbeitsplatzanalysen, 7 Betriebsbegehungen; 3.) Chemie: 51 Gespräche mit Managern und Betriebsräten, 73 Gespräche mit Arbeitern, 7 Arbeitsplatzanalysen, 9 Betriebsbegehungen
ForschungsgebietAutomation/EDV; Rationalisierung; Arbeitsorganisation; Arbeitsorganisation; Arbeitspolitik
FragestellungNicht nur sollten historische Verlaufsformen der Rationalisierung betrachtet werden, es ging auch darum die Frage nach den entstandenen Rationalisierungspotentialen und ihrer wahrscheinlichen Nutzung in der Zukunft zu beantworten (S. 15): "Wichtig wurde uns zu klären, was von den technisch-organisatorischen Potentialen, die geschaffen worden waren, tatsächlich zu erwarten ist. In ihrer endgültigen Gestalt ist unsere Untersuchung also auch der Versuch einer Antizipation künftiger Entwicklungen in den Betrieben" (ebd.).
TheoriebezugStudie vor dem Hintergrund einer in den 1980er Jahren "grundlegend gewandelten Rationalisierungssituation": "Die 70er Jahre waren eine Art Inkubationszeit, in der ein qualitativ neuartiges Handlungswissen aufgebaut worden ist, das jetzt in vollem Umfang praktisch wird" (S. 15). "Gerade dieses durch ganzheitlichen Zugriff, systematischere Planung und konsequenteren Vollzug gekennzeichnete Rationalisierungsverständnis und das Vorhandensein entsprechender Rationalisierungsinstrumente macht die neue Qualität des heutigen Rationalisierungspotentials der Betriebe aus. Das ist ein Faktum, von dem bei unserer Untersuchung auszugehen war: Ein Prozeß der Modernisierung der industriellen Produktionsapparate ist vorbereitet worden, der nun Fahrt gewinnt - eine Umschichtung von gewaltiger Reichweite" (S. 16).
ErgebnisseThese vom "Wandel der Produktionskonzepte": "In den industriellen Kernsektoren vollzieht sich vor unseren Augen ein grundlegender Wandel der Produktionskonzepte, in dem das betriebliche Interesse an Ersetzung lebendiger Arbeit und das an Ökonomisierung der Rest-Arbeit auf neue Weise miteinander verschränkt sind. Bisher beruhten alle Formen kapitalistischer Rationalisierung auf einem Grundkonzept, das lebendige Arbeit als Schranke der Produktion faßte, die es durch möglichst weitgehende technische Autonomisierung zu überwinden galt. (...) Das Credo der neuen Produktionskonzepte lautet: a) Autonomisierung des Produktionsprozesses gegenüber lebendiger Arbeit durch Technisierung ist kein Wert an sich. Die weitestgehende Komprimierung lebendiger Arbeit bringt per se das wirtschaftliche Optimum. b) Der restringierende Zugriff auf Arbeitskraft verschenkt wichtige Produktivitätspotentiale. Im ganzheitlichen Aufgabenzuschnitt liegen keine Gefahren, sondern Chancen; Qualifikation und fachliche Souveränität auch der Arbeiter sind Produktivkräfte, die es verstärkt zu nutzen gilt" (S. 19). Für die Arbeiterschaft können "disparitäre Lebensverhältnisse" konstatiert werden: Lageunterschiede innerhalb der Arbeiterschaft waren seit den unmittelbaren Nachkriegsjahren noch nie so groß (S. 22f.). Die Ergebnisse werden dabei für jeden Fall separat dargestellt und folgen grundlegend den Themengebieten Rationalisierung, Arbeit, Facharbeit, Interessenvertretung. In einem weiteren Kapitel resümieren die Autoren über "Segmentierung" als moderner Variante der Polarisierung (Kap. VI) und geben einen Ausblick auf eine "Politik der Modernisierung" (Kap. VII).
ErkenntniszielGründe für die Durchführung der "Follow-up-Studie": "Einerseits hat offenbar das Problemfeld "Rationalisierung in der industriellen Produktion" durch eine Reihe ökonomischer, sozialer und politischer Veränderungen eine so gehörige Umstrukturierung erfahren, daß mit unseren alten Resultaten nicht mehr viel auszurichten ist. Andererseits kann man diese Neukonturierung trotz verdienstvoller anderer Studien unseres Erachtens kaum mehr als erahnen und keineswegs bereits genau beschreiben und analysieren (...)" (S. 13).
SelbstdefinitionDie Autoren bezeichnen ihren Ansatz als "Fallanalyse" (vgl. Z.B. S. 27).
MethodenbegründungIn Kapitel 2 betrachten die Autoren ausführlich den methodischen Rahmen ihrer Arbeit und gehen auf Analyseschritte ein. In Kapitel 1 (S. 26ff.) beschreiben sie zudem ihre Anlage der Fallanalysen, insbesondere in Bezug auf die verschiedenen Branchen und deren Entwicklungen. Dazu schreiben sie: "Das Verfahren, das wir hier anwenden, könnte man als eine theoretisch angeleitete und empirisch gestützte Bandbreitenbestimmung kennzeichnen" (siehe dazu detailliert S. 29). Ein weiteres Kapitel "In der Fremde - als Industriesoziologen 'im Feld'" (S. 30-39) spiegelt einige Aspekte des generellen Methodenverständnisses von Kern und Schumann, z.B. der Sonderrolle von Wissenschaftlern im Feld, Erhebungen als Open-End-Prozesse, "Entschieden im Ziel, variabel im Kurs", Methodenvielfalt. Darüber hinaus wird hier die Schwierigkeit reflektiert, vertraut Gewordenes zu reflektieren und das erfahrene "Fremde" in Sprache umzusetzen.
AuswertungDie Auswertung folgt dem Prinzip der "cross examination" (Kern 1982), welche verschiedene Erhebungsmethoden gegeneinander stellt um etwaige Schwächen zu eliminieren und Stärken der Ansätze voll auszureizen.
FalldarstellungDie Fälle (Branchen) werden getrennt voneinander ausführlich aufgearbeitet, dies geschieht analog (Kap. III, IV, V).
EingabeTUM

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