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Lutz, B.; Kammerer, G. (1975): Das Ende des graduierten Ingenieurs. Frankfurt: Europäische Verlagsanstalt.

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InstitutionInstitut für Sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF)
ProjektbeteiligteLutz, Burkart; Kammerer, Guido
ProjektcharakterFörderung durch die Stiftung Volkswagenwerk
weitere Veröffentlichungen
Projektlaufzeitab 1971
Erhebungszeitraum1971-1972
Fälle3 Betriebe
AuswahlMaschinenbaubetriebe (Auswahlkriterien siehe S. 58ff.)
ErhebungIn den Betrieben wurden jeweils zwei Erhebungen durchgeführt (S. 14ff.): 1.) Erfassung von Personalstrukturen und Personalpolitik, betrieblicher Organisation, Produkt und Produktionsweise sowie deren Entwicklung in den sechziger Jahren. Dazu Expertengespräche mit Management und/oder Unternehmensleitung sowie die Sammlung und Auswertung betrieblicher Unterlagen und Statistiken; 2.) 65 qualitative Interviews mit jeweils 20 bis 25 in dem betreffenden Betrieb beschäftigten graduierten Ingenieuren verschiedener funktionaler und hierarchischer Position und verschieden langer Berufsdauer. Die Befunde aus den drei Betrieben wurden ergänzt durch: a.) schriftliche ("Klaßzimmer"-)Befragung von 70 zukünftigen graduierten Maschinenbauingenieuren aus dem Prüfungsjahr 1972 von zwei Fachhochschulen; b.) Sonderauszählungen und -auswertungen anderer Untersuchungen des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung; c.) Analyse anderer, meist älterer, statistisch-empirischer Untersuchungen über Einsatz und berufliche Situation von Ingenieuren.
ForschungsgebietBetriebsorganisation; Arbeitspolitik; Angestellte; Weiterbildung/Qualifizierung/Kompetenzentwicklung; Qualifikation(sanforderungen)
FragestellungEine Studie im Auftrag des OECD und des Bundesministeriums für Wirtschaft (veröffentlicht 1971) über den Einsatz von Ingenieuren und anderem technischen Personal erbrachte Ergebnisse, "(...) die nur sinnvoll interpretierbar waren, wenn man annahm, daß zwischen den einzelnen Kategorien technischen Personals mit unterschiedlichen formalen Qualifikationen erhebliche Substitutionsmargen bestehen" (S. 13). Deshalb wird in der vorliegenden Studie den betrieblichen Einsatzpolitiken für technisches Personal, den sie bestimmenden Bedingungen und daraus resultierenden betriebsspezifischen Einsatzstrukturen nachgegangen (S.14). Diese Unterschiede konnten am besten sichtbar gemacht werden, indem eine einzelne Qualifikationsgruppen fokussiert wurde - die graduierten Ingenieure (ebd.).
TheoriebezugVorweg wird ein theoretischer Anspruch der Arbeiten aus dem Institut für sozialwissenschaftlichen Forschung München postuliert: "Im Gegensatz zu zahlreichen sozialwissenschaftlichen Untersuchungen, in denen in verengter oder ausschließlich anwendungsbezogener Orientierung Einzelprobleme unmittelbar als Forschungsgegenstand betrachtet und isoliert untersucht werden, werden in den Forschungsprojekten des Instituts die objektiven Bedingungen der Entwicklung von gesellschaftlichen Problemen in die Forschungsperspektive mit einbezogen. Durch Rekurs auf gegebene gesellschaftlich-historische Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise wird versucht, über die "Unmittelbarkeit" des Vorgefundenen hinauszugehen und in begrifflicher und theoretischer Analyse von konkreten Formen gesellschaftlicher Reproduktion einen Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Theoriebildung zu leisten" (Vorwort). In der Folge konzentriert sich die Studie auf zwei zentrale analytische Kategorien - "Betrieb" und "Staat" (ebd.). Der konkrete Theoriebezug der Studie liegt in Elementen einer Theorie von Qualifikationen, die aus den Befunden des damaligen SFB gewonnen wurden (S. 18ff.): 1.) Qualifikation wird verstanden als ein "(...) historisch verfestigtes Muster von Arbeitsbefähigungen, Verhaltensorientierungen und Verhaltenspotentialen"; 2.) "Eine bestimmte Qualifikation ist also immer sowohl Formung individueller Arbeitsbefähigungen wie Ausdruck einer bestimmten Struktur der betrieblichen Arbeitsteilung; Medium je individueller Chancen der Selbstverwertung als Arbeitskraft wie Instrument zu deren Nutzung im betrieblichen Produktionsprozeß; Bedingung individueller Lebensgestaltung wie Teil einer auf sozialer Ungleichheit gegründeten aber legitimierbaren Struktur"; 3.) "Die Bedingungen und Bestimmungen der Existenz und konkreten Gestaltung von Qualifikationen lassen sich analytisch auf verschiedenen Ebenen fassen" (z.B. Ebene des Individuums, gesamtgesellschaftlich, etc.); 4.) "Das institutionalisierte System von öffentlicher oder privater Bildung und Ausbildung kann nur einen begrenzten Beitrag zur Produktion und Reproduktion einzelner Qualifikationen wie einer gesellschaftlichen Qualifikationsstruktur leisten, die den genannten Anforderungen entspricht"; 5.) "Gesellschaftliche Problemlösungen, wie sie die Herausbildung einer bestimmten Qualifikation darstellt, sind immer nur vorübergehender Natur" (S. 20).
ErgebnisseIm Anschluß an zwei Teile, deren Schwerpunkt auf der Datenpräsentation beruht (Teil A und B), wird im Schlusskapitel der Argumentationszusammenhang transparent gemacht und eine Übertragung der Erkenntnisse auf die aktuelle bildungspolitische Situation und Problematik angestrebt (und zwar über die einzelne Qualifikation graduierter Ingenieure hinaus): 1.) Entwicklungstendenzen im Ausbildungsweg und im Einsatz graduierter Ingenieure werden aufgezeigt; das Ende des graduierten Ingenieurs traditioneller Art wird postuliert; 2.) weiterhin wird auf betriebliche Arbeitsteilung, die industrielle Produktionsweise und das Komplementärverhältnis von graduierten Ingenieuren und Industriefacharbeitern eingegangen; 3.) die Notwendigkeit einer Alternative wird behandelt: "Die Frage nach möglichen Alternativen - die damit mehr als bloße Spekulation wird - muss gleichzeitig an den Qualitäten der traditionellen Arbeitsteilung zwischen Facharbeiter und graduiertem Ingenieur und an den Momenten und Voraussetzungen dieser Arbeitsteilung ansetzen, die heute den Fortbestand der beiden aufeinander bezogenen Qualifikationen (...) bedrohen" (S. 193f.).
Erkenntnisziel"Die hiermit vorgelegte Arbeit versteht sich vielmehr ganz bewusst als eine empirische und partiell auch historische Analyse, deren Aufgabe es ist, im Institut für sozialwissenschaftliche Forschung erhobenes, gesammeltes und aufbereitetes Material so darzustellen, dass es aus sich heraus sinnvoll wird und damit über seine eigenen methodischen und faktischen Begrenzungen hinausweist" (S. 21).
Selbstdefinition"Fallstudie" (S. 71)
MethodenbegründungDie Problematik der Generalisierbarkeit von Fallstudien wird thematisiert: "Fallstudien haben der Natur der Sache nach den Nachteil, jeweils nur individuelle Situationen abzubilden, die sich im Einzelfall immer auch - mehr oder minder gewaltsam - durch atypische spezifische Verhältnisse und Bedingungskonstellationen erklären und damit als wenig beweiskräftig abqualifizieren lassen" (S. 71). Dem wird durch mehrere Argumente entgegengehalten, dass es sich bei der Auswahl der drei Fallstudienbetriebe um "typische Repräsentanten einer recht großen Gruppe von - vor allem metallverarbeitenden - Betrieben" (S. 73) handelt. Über Gründe für die Wahl der Fallstudienmethode an sich oder die der verschiedenen Erhebungsinstrumente finden sich keine systematischen Erläuterungen.
AuswertungStatistische Auswertungen erkennbar, sonst keine weiteren Angaben.
FalldarstellungDie Untersuchungsbetriebe werden vorgestellt (S. 58ff.), im weiteren aber nicht getrennt voneinander behandelt.
EingabeTUM

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