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Kapp, W.; Martens, H. (1996): Institutionelle Entwicklung und Transformationsprozeß. Münster: Lit.

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InstitutionSozialforschungsstelle Dortmund
ProjektbeteiligteKapp, Wolfgang; Martens, Helmut; Biescz-Kaiser, Antonia; Peter, Gerd
ProjektcharakterDeutsche Forschungsgemeinschaft
weitere VeröffentlichungenMartens, H. (1996): Zur Institutionalisierung von Mitbestimmung in Ostdeutschland im Kontext der Modernisierung der industriellen Beziehungen in der Bundesrepublik Deutschland, in: Kollmorgen, R.; Reißig, R.; Weiß, J. (Hg.): Sozialer Wandel und Akteure in Ostdeutschland, Opladen, S. 165-178. Peter, G. (1997): Theorie und Praxis der Arbeitsforschung, Frankfurt. Martens, H. (1998): Auf dem Weg in die Soziale Marktwirtschaft ? – Mitbestimmung in den neuen Bundesländern, in: Nutzinger H.-G. (Hg.) (1998), Perspektiven der Mitbestimmung.
Projektlaufzeit01.05.1992 bis 15.05.1995
Erhebungszeitraum1992 und 1993 mit einem abschließenden Feedbackprozess Anfang 1995
FälleIn einer traditionsreichen Industrieregion Sachsens bilden drei Betriebsfallstudien (Treuhandbetrieb, früh privatisierter Betrieb, später reprivatisierter Betrieb, alle mittelständisch in der Metall- und Textilindustrie) bilden, neben der Analyse lokaler arbeitspolitischer Institutionalisierungsprozesse, den Kern der Untersuchung.
AuswahlDrei Betriebsfallstudien
ErhebungDie Betriebsfallstudien stützen sich wesentlich auf 1.) jeweils eine offene passiv-teilnehmende Beobachtung des Betriebsalltags der Betriebsratsvorsitzenden über eine Woche, z.T. ergänzt um Beobachtungen von Betriebsräte oder Belegschaftsversammlungen, sowie 2.) auf nicht-standardisierte Interviews. Je Betriebsfallstudie wurden zwischen 5 und 8 Interviews (Betriebsrat(smitglieder) und Geschäftsführer sowie später jeweils zwei Feedbackgespräche geführt. Die betrieblichen Erhebungen wurden „’eingerahmt’ durch weitere Gespräche auf örtlicher Ebene (Gewerkschaftssekretäre und durch allgemeine feldbeobachtende Aktivitäten“ (S. 37) Der Betriebszugang wurde über die örtliche Gewerkschaftsorganisation hergestellt.
ForschungsgebietBetriebsorganisation; Unternehmensstrategie; Betriebliche Arbeitsbeziehungen; Unternehmenskultur (institutionalisierte Mitbestimmung); Gewerkschaftliche Interessenvertretung
FragestellungDas Vorhaben zielte darauf ab, anhand ausgewählter, kontrastierender Betriebsfallstudien in einer Industrieregion Ostdeutschlands (1) die Institutionalisierung betrieblicher/unternehmensbezogener Interessenvertretung und Mitbestimmung in einem (2) erwarteten spannungsreichen Verhältnis zu überkommenen Verhaltensmustern der Menschen, die diesen Prozess vollziehen mussten, zu analysieren. Des weiteren sollte (3) von diesen Fallstudien ausgehend auch der Prozess der Neuentwicklung gewerkschaftlicher Handlungsstrukturen im lokalen/regionalen Politikfeld angesichts der besonderen struktur- und beschäftigungspolitischen Herausforderungen.
TheoriebezugDer theoretische Bezugspunkt ist wesentlich institutionentheoretischer Art, stark angeregt u.a. durch den institutionentheoretischen Diskurs in den deutschen Politikwissenschaften zu Beginn der 1990er Jahre (Göhler 1994) (S. 14). Gefragt wird, „ob und in welcher Weise“ in den neuen Bundesländern „eigenständige Institutionalisierungsprozesse zustande kommen. Es ging in diesem Sinne um die „Selbsterfindung und Nacherfindung von Institutionen und Verhaltensweisen (Zapf 1992)“ (S. 276) und nicht um deren einfache Übertragung durch westliche Austauscheliten, für die im Übrigen, wie K. U. Mayer (1994) vermutet hatte, Ausprägungen alter Leitbilder „orientierend waren, die im Westen bereits einem erheblichen Modernisierungsdruck und einem gewissen Bedeutungsverlust unterlagen“ (S. 278) Im Hinblick auf die Debatten um theoretische und methodische Fragen der Transformationsforschung bestehen enge Bezüge zu der von R. Kollmorgen vorgeschlagenen „handlungstheoretischen Untersetzung modernisierungstheoretischer Ansätze“ (Martens 1996, S. 174ff.).
ErgebnisseDie Fallstudienbefunde weisen empirisch gegen die Mitte der 1990er Jahre auf Spezifika der sozialen Ordnung ostdeutscher Betriebne (Aufbaupartnerschaften) und ein eher distanziertes Verhältnis von Betriebsräten zu gewerkschaftlichen Dienstleistungen hin. Eine stabile Institutionalisierung von Mitbestimmung als sozialer Institution erscheint als fraglich, mittelfristig negative Rückwirkungen auf die in Westdeutschland historisch ausgebildeten Institutionalisierungsformen werden angesichts des „Experimentierfeldcharakters“ der ostdeutschen Industrie für westliche Konzerne für denkbar gehalten. In theoretischer Hinsicht liefert das konstruktivistische Konzept, in dem über die Kategorien Situation, Institution und System eine phänomenologische Analyse von Handlungssituationen (in ihrer Bedeutung für die konkret handelnden Personen) mit einer systemischen Analyse von Handlungssystemen (hinsichtlich ihrer funktionalen Bezüge) verknüpft und aufeinander bezogen wird, Argumente für eine handlungstheoretische Untersetzung modernisierungstheoretischer Ansätze.
ErkenntniszielKonzeptionell schließt die Untersuchung „an vorausgegangene Untersuchungen zur Krise – im Sinne eines latenten Funktions- und Bedeutungsverlustes – traditioneller Institutionen der Arbeit in der alten Bundesrepublik an. (…) Die Herausforderung und die Chance des deutschen Vereinigungsprozesses bestand für uns als Wissenschaftler darin, die uns interessierenden Transformationsprozesse unter dem Aspekt einer eigenständigen Institutionalisierung zu analysieren, dabei handlungs- und institutionentheoretische Zugänge miteinander zu verknüpfen und unser spezifisches theoretisches Vorverständnis vom Charakter entsprechender Institutionalisierungsprozesse zu präzisieren“ (S. 17).
SelbstdefinitionIn Absetzung von der Mehrzahl der im DFG-Förderschwerpunkt „Strukturwandel der industriellen Beziehungen“ geförderten Forschungsprojekte zum Transformationsprozess in Ostdeutschland wird „theoretisch und methodisch-methodologisch (…) der Anschluss an ältere (…) (genuin industriesoziologische) subjektzentrierte Ansätze (in phänomenologischer Tradition) gesucht“ (S. 22).
Methodenbegründung„Zur Erfassung der institutionellen Handlungsprozesse wurden zwei Erhebungsmethoden angewandt, die sich gegenseitig sinnvoll ergänzen. Dies sind das narrative Interview und die passiv teilnehmende Beobachtung. Das nicht-standardisierte Interview kann größere zurückliegende Zeiträume überbrücken und dadurch Aufschluss über die Phasenhaftigkeit von Prozessen erbringen, die bis in die Gegenwart reichen und auch die nahe Zukunft erfassen. Diese Phasenhaftigkeit macht sich fest am Wandel des Selbstverständnisses und der Veränderung von Alltagsmustern. (…) Die passiv-teilnehmende Beobachtung begibt sich auf die Ebene (typischer Alltags)Situationen, um die Genese von Sinnkonstitution und die Generierung von sinnadäquater Handlungspraxis zu untersuchen“ (S. 37).
AuswertungKeine Angaben
FalldarstellungDie drei betrieblichen Fälle werden jeweils ausführlich dargestellt und interpretiert (S. 52-202) und dann im Kontext übergreifender Überlegungen - sowie (bei Martens 1996) der Ergebnisse von Kurzfallstudien aus je zwei Betrieben in je zwei Verwaltungsstellen von vier Gewerkschaften (IG Metall, IG CPK, IG BE, hbv), die im Rahmen einer kleineren parallelen Untersuchung durchgeführt wurden – verallgemeinernd interpretiert.
EingabeHelmut Martens

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