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Kotthoff, H.; Reindl, J. (1990): Die soziale Welt kleiner Betriebe. Göttingen: Schwartz.

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InstitutionISO-Institut Saarbrücken
ProjektbeteiligteKotthoff, Hermann (Konzept), zusammen mit Reindl, Josef durchgeführt; Unterstützung bei Interviews durch zwei Studenten (Botzet, Michael; Kösse, Klausl); Teilauswertung durch Breit, Heiko
ProjektcharakterZweieinhalbjähriges, durch die Stiftung Volkswagenwerk finanziertes Forschungsprojekt
weitere Veröffentlichungen
ProjektlaufzeitZweieinhalb Jahre
ErhebungszeitraumFebruar 1987 bis Februar 1988 (S. 7)
Fälle52 Untersuchungsbetriebe (tabellarische Übersicht auf S. 394f.) in der Größe von 20 bis 300 Beschäftigten (davon 49 in die Typologie einbezogen).
AuswahlKombination einer Branchenanalyse mit einer Regionalanalyse (Begründung S. 16ff.): vier Branchen, die eingangs (Teil A) in Branchenanalysen vorgestellt werden: Holzmöbelindustrie (13 Fälle), Polstermöbelindustrie (11 Fälle), Maschinenbau (15 Fälle), Bekleidungsindustrie (13 Fälle). Entsprechend den Standortschwerpunkten der Branchen werden sechs Untersuchungsregionen ausgewählt: Lippe-Detmold (Holzmöbel), Coburg (Polstermöbel), Breisgau/Hochschwarzwald, Stuttgart (jeweils Maschinenbau), Saarland/Süd-Eifel, Frankfurt (jeweils Bekleidungsindustrie)
ErhebungStrukturierte Leitfadengespräche (insgesamt 285) mit dem Inhaber-Unternehmer, ein bis zwei Produktionsvorgesetzten, Betriebsrat und drei bis sechs Arbeitern (aus verschiedenen Abteilungen), Gesprächsdauer in der Regel drei Stunden, Aufzeichnung und Transkription der Interviews; zusätzlich ausführliche Betriebsbegehungen mit Chef oder Meister. Problemloser Betriebszugang (auf unterschiedlichen Wegen): "Die Unternehmer waren sehr gesprächsbereit, mitteilsam und interessiert an den Untersuchungsergebnissen" (S. 22).
ForschungsgebietKlein/Mittelbetriebe; Informelle Sozialbeziehungen; Arbeit und Identität; Unternehmenskultur; Gewerkschaftliche Interessenvertretung
FragestellungFrage nach den "Regelungsmechanismen, die die Handlungen von Unternehmern und Arbeitern koordinieren", "nach der psychosozialen Wirklichkeit des Sozialgebildes Klein- und Mittelbetrieb" (S. 9). "Wir untersuchen in einem integrativen Ansatz das Wirtschaftshandeln der Unternehmer, die Arbeitsorganisation, die Arbeits- und Leistungsbedingungen und die sozialen Beziehungen zwischen Unternehmer und Arbeitern einschließlich der Interessenvertretung der Arbeiter" (S. 9).
TheoriebezugAbgrenzung von strukturalistischen und machttheoretischen Ansätzen der Industriesoziologie; eigener Ansatz "für eine antideterministische und stärker subjektivistische Sichtweise des Betriebes" (S. 12) rückt die soziale Konstituierung des Betriebes ins Zentrum. Konzept der "betrieblichen Sozialordnung", "da wir gerade den Aspekt der psycho-sozialen Innenseite, d.h. der Integrations- und Desintegrationskräfte im Auge haben" (S. 13). Keine ex-ante-Entwicklung des Theoriekonzepts, denn: "Die Fruchtbarkeit dieses Forschungskonzepts hat sich in ihrem gesamten Umfang auch uns erst im Verlauf der Forschungsarbeit gezeigt" (S. 13).
Ergebnisse"Reichtum sozialer Phänomene ..., der uns selbst überrascht hat" (S. 13): "Die soziale Welt kleiner Betriebe ist eine bunte, formenreiche, lebendige und manchmal geradezu dramatisch-spannende Welt" (S. 15). Bildung einer Typologie von Sozialordnungen (Teil B) mit sieben Typen und mehreren Varianten. Zusammenfassung der Befunde im Schlusskapitel (S. 354ff.): Gemeinschaft als dominante Form der Sozialordnung (in zwei Drittel der Fälle, nämlich den Typen I bis IV), Zentrierung des Betriebs (Produktivismus) auf die Produktion qua Arbeitsgemeinschaft (Werkstatt, Produzentenstolz), Bedeutung der Unternehmerrolle auf labilen Märkten mit starker Konkurrenz (Ökonomismus), Personalität und Transparenz der Beziehungen und der Führung, Integration lebensweltlicher Kräfte. Interpretation: "Die Sozialordnung ist eine Realität sui generis" (S. 14). "Einverständnis, Eintracht, spontane Sozialität muß als eine unreduzierbare Beziehungsqualität einen analytisch gleichrangigen Stellenwert haben wie Macht" (S. 14). "Sozialfigur des Unternehmers" (S. 14) als wichtigste soziale Entdeckung, als zentrale Quelle der Sozialordnung. Bedeutung regionaler Industriekultur für die Sozialordnung. Fazit: KMUs sind nicht rückständig, da ihre "andauernde Lebenskraft in einem Zusammenhang mit ihrer Sozialordnung steht" (S. 15).
ErkenntniszielÜberprüfung und Ergänzung deterministischer Forschungskonzepte (Kapitalverwertung, Technologie); Etablierung der Forschung zu KMUs in der Industriesoziologie. "Wir haben versucht, unseren Blick zu schärfen für Phänomene der Kooperation und Bindung sowie der Distanz und des Konflikts, und für mögliche Verknüpfungen zwischen Wirtschaften, Arbeiten und Leben" (S. 354). Betonung der Integrations- und Identifikationskräfte im Unternehmen, ohne die Dimensionen des Konflikts und die Anforderungen der Interessenvertretung aus dem Auge zu verlieren.
Selbstdefinition"Konzentrierte Betriebsfallstudie" (S. 21)
MethodenbegründungErläuterung der "Untersuchungsmethode" in einem eigenen Unterkapitel (S. 16-24), wobei vor allem die Auswahl der Branchen und Regionen erläutert und begründet wird und das Vorgehen während der Erhebung beschrieben wird. Eine Begründung für die Methodenwahl und eine Reflexion von Problemen der Erhebung oder Auswertung ist nur in allgemeinster Form zu erkennen: "Die eigensinnige und farbenprächtige soziale Welt der kleinen Betriebe dem Leser möglichst plastisch und anschaulich nahezubringen, ist eines unserer Hauptanliegen" (S. 23).
AuswertungEntwicklung einer Typologie mittelständischer Sozialordnungen, für welche zwei Beziehungsqualitäten konstitutiv sind: "Gemeinschaftliches - Instrumentalistisches und Autokratisches - Konstitutionell-Universalistisches" (S. 360). Zum Vorgehen bei Auswertung und Typenbildung werden keine Angaben gemacht. Aber subjektiver Kommentar, der auf intensive Erhebungs- und Auswertungserlebnisse verweist: "Als wir bei der Aufbereitung des Materials dann doch mehr und mehr rote Fäden fanden, die die Individualitäten verbinden, standen wir dabei immer ein Stück neben uns selbst - froh über den Fund und betrübt über den damit verbundenen Verlust an Ausdrucksfülle des einzelnen Falls" (S. 23).
FalldarstellungDarstellung der Typen meist in verallgemeinerter Form; Darstellung von Einzelfällen (in sehr unterschiedlicher Ausführlichkeit von einer bis zu fünfzehn Seiten) eher bei der Erläuterung der Varianten des Typus, wobei die Falldarstellungen gliederungsmäßig kaum hervorgehoben sind. Quantitative Verteilung der Typen in Tabelle auf S. 388.
EingabeTUM

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