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Veröffentlichung

Eberling, M.; Hielscher, V.; Hildebrandt, E.; Jürgens, K. (2004): Prekäre Balancen. Berlin: Edition Sigma.

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Details

InstitutionKooperationsprojekt zwischen WZB, ISO und Institut für Soziologie an der Universität Hannover
ProjektbeteiligteEberling, Matthias; Hielscher, Volker; Hildebrandt, Eckart; Jürgens, Kerstin
ProjektcharakterFörderung von der Hans-Böckler Stiftung im Rahmen des Forschungsschwerpunkts "Perspektiven der Arbeitsgesellschaft"; beantragt und koordiniert durch WZB
weitere Veröffentlichungen
ProjektlaufzeitKeine Angabe
ErhebungszeitraumWinter 2001/ 2002
Fälle5 Fälle = 5 Betriebe
AuswahlNach drei Auswahlkriterien (flexibilisierte Arbeitszeit mit Option von Blockfreizeit, Thematisierung der Balance zwischen Arbeit und Leben, Differenzierung nach Branche und Betriebstyp) wurden ein industrieller Großbetrieb, eine Pflegedienstleistung, ein Finanzdienstleiter und zwei Firmen der Informations- und Kommunikationstechnologien ausgewählt (S. 80).
ErhebungDokumentenanalyse (S. 81); 20 Experteninterviews mit betrieblichen Akteuren mit Hilfe eines auf den jeweiligen Handlungskontext abgestimmten Leitfadens (S. 81); Beschäftigtenbefragung: 73 Beschäftigte aus den fünf Betrieben, Auswahl des Samples nach Alter, Lebensform und Qualifikation, problemzentriertes Interview mit Leitfaden mit denen auch narrative Passagen angeregt wurden, ca. 90-120 Minuten pro Interview mit teilweise zwei Interviewpersonen (S. 81ff.).
ForschungsgebietArbeitszeit; Arbeitsorientierungen; Gewerkschaftliche Interessenvertretung; Qualifikation(sanforderungen); Subjektivierung
FragestellungWie wird Arbeitszeitflexibilisierung in unterschiedlichen Branchen und Betriebstypen eingeführt und praktiziert? Welches sind die zentralen Einflusskräfte auf die Formen der betrieblichen Arbeitszeitflexibilisierung? Welche konkreten betrieblichen Angebote zur dezentralen Disposition über Arbeitszeit sind schon verbreitet? In welche Unternehmensstrategien sind sie eingebettet? Wie sind die betrieblichen Aushandlungsprozesse ausgelegt? Auf welchen Ebenen und unter wessen Beteiligung finden sie statt? Wie gehen die zum flexiblen Zeithandeln aufgeforderten ArbeitnehmerInnen mit den neuen Anforderungen an die Planung und Gestaltung von Zeit um? Welche Ähnlichkeiten und Differenzen lassen sich in den unterschiedlichen Beschäftigungsgruppen feststellen? Welche Interessen an einer individuellen Nutzung der Arbeitszeiten werden thematisiert, was davon kann in der betrieblichen Realität umgesetzt werden? Wie beurteilen die Beschäftigten die Möglichkeiten und Grenzen ihrer persönlichen Zeitgestaltung? Wie werden die Zeitressourcen für neue Gestaltungsformen, insbesondere für Blockfreizeiten genutzt? Welche Folgen haben Blockfreizeiten für die individuelle Lebensgestaltung? Welche Lernprozesse finden im Zuge der Deregulierung der Arbeitszeitgestaltung statt? Welche neuen Fähigkeiten müssen die Beschäftigten zur Durchsetzung ihres Anspruchs auf möglichst autonome Zeitgestaltung entwickeln? (S. 17)
TheoriebezugEntgrenzung von Arbeit (Voß 1998; Kratzer 2003); Konzepte der alltäglichen Lebensführung (Jurczyk/Rerrich 1993); Zeithandeln (Jurczyk 1997; Jurczyk/Voß 2000); Work- Life-Balance-Debatte (Meifert et al. 2003) (S. 18).
ErgebnisseAllgemein zeigen die Befunde einen Trend von Dezentralisierung bis Individualisierung auf. Es gibt ein zusammenfassendes Kapitel S. 269ff.: 1.) Betriebliche Strategien der Arbeitszeitflexibilisierung: differenzierte Regelungen; keine übergreifenden Normen bzw. Praktiken erkennbar; geschwächte Rolle der Interessenvertretung; Konvergenzen. 2.) Betriebliche Einflußkräfte auf Kontennutzung und Aushandlungsprozesse: Personalpolitik als Kontext; übereinstimmende Arbeitsorientierung bei unterschiedlicher Marktnähe; wachsende Bedeutung von gruppeninternen Abstimmungsprozessen; Bedeutungswandel der Vorgesetzten; Bedeutungsverlust von Betriebsräten; Wandel von kollektiver Zeitordnung zu komplexer Regulierung. 3.) Blockfreizeit als Ergebnis von Zeithandeln: individuelle Nutzungsinteressen und Umsetzungsmodelle; Lernprozesse des Zeithandelns. 4.) Blockfreizeit als Element der Balance zwischen Arbeit und Leben: individuelle Regulierung je nach Kontext; Veränderung der Grenzen von Privat- und Arbeitsleben; 'Balancieren' als neue Handlungskompetenz; Typisierung von 'Balancieren': aktiv, passiv, souverän und überfordert; Veränderung der Zeitperspektive. 5.) Verzeitlichung von Lebensqualität. Schlussfolgerungen auf individueller Ebene: vor allem individuelle Beteiligungsrechte werden wichtig; auf betrieblicher Ebene: es werden vier zeitpolitische Aufgaben für den Betriebsrat benannt (S. 292f.); auf gewerkschaftlicher Ebene: noch zielen die Gewerkschaften auf eine Durchsetzung von defensiven Zielen und tariflicher Arbeitszeit, die weiterführenden Potenziale des Flexibilisierungsprozesses wurden noch nicht erkannt (S. 288ff.).
Erkenntnisziel"Die vorliegende Studie kann damit einen Beitrag zur übergreifenden Debatte über den Wandel von Arbeit liefern und vor allem wichtige Veränderungen in der betrieblichen und individuellen Zeitgestaltung aufzeigen" (S. 77). Sie war als explorative Studie angelegt, die darauf abzielt "wichtige Zusammenhänge genauer zu erschließen und differenzierte Thesen für die weitere Forschung zu gewinnen" (S. 19). Gesellschaftliche Folgen der Arbeitszeitflexibilisierung; Für die konkrete Arbeitszeitpolitik kann die Studie wichtige Anknüpfungspunkte bieten (S. 81).
SelbstdefinitionFallstudie und Querschnittsstudie (S. 18f.)
MethodenbegründungEs wurde die Methode der Fallstudien gewählt, um sowohl die betrieblichen Rahmenbedingungen als auch die Reaktionen der Beschäftigten und deren individuelles Zeithandeln am Arbeitsplatz zu berücksichtigen (S. 18). "Die gewonnene Vielfalt haben wir in einem zweiten Schritt dazu genutzt, um die individuellen Zeitwünsche und die Formen der Zeitverwendung in Querschnittsanalysen auszuwerten: Auf dieser Ebene werden die persönlichen Arbeitszeitpräferenzen und das Zeithandeln der einzelnen Beschäftigten im Kontext von Betrieb und Lebenswelt aus einem veränderten Blickwinkel systematisch und betriebsübergreifend analysiert" (S. 19). Begründung des qualitativen Untersuchungsdesigns auf S. 77f., im Kapitel "Anlage der Untersuchung". Dort wird die Auswahl der Betriebe und Fallstudien skizziert, als auch die Beschäftigtenbefragung. Verweis auf Yin (1989).
Auswertung"Alle Experteninterviews wurden auf Tonband aufgenommen und in Form eines ausführlichen Protokolls resümiert" (S. 81); auch die Beschäftigteninterviews wurden auf Band aufgenommen, unmittelbar nach dem Interview wurde ein Gedächtnisprotokoll angefertigt und etwa die Hälfte der Interviews transkribiert, vom Rest wurden ausführlichere Protokolle erstellt (S. 83); Auswertung der Beschäftigteninterviews in drei Schritten: 1.) Einzelfallanalysen und Erstellung von "Porträts", 2.) als Grundlage für Betriebsfallstudien, Fallvergleiche, 3.) nochmalige übergreifende Auswertung anhand von "typischen Fällen" (S. 83f.).
FalldarstellungImmer wieder Zitate der transkribierten Interviews im Text. Kapitel V dient der Darstellung der Fälle, siehe auch Tabellen 4 8 (S. 88ff.). Die Betriebe werden einzeln aufbereitet (in Kapitel V2, V3, V4, V5 und V6) und dann in einem weiteren Kapitel (V7) verglichen. Dabei werden Betriebsporträts gebildet und ausführliche Beschreibungen von Betrieb und gewonnener Empirie geliefert.
EingabeTUM

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