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Jürgens, K.; Reinecke, K. (1998): Zwischen Volks- und Kinderwagen. Berlin: Edition Sigma. (Ergebnisbericht)

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InstitutionUniversität Hannover, Institut für Soziologie, übernahm Verwaltung des Projekts, Arbeitsgemeinschaft Interdisziplinäre Sozialstrukturforschung (agis) finanzierte eine explorative Vorstudie (S. 9).
ProjektbeteiligteJürgens, Kerstin; Reinecke, Karsten; Mitarbeit von Krüger- Wallart, Karen; Kurmeyer, Christine; Siegmund, Kerstin
ProjektcharakterFörderung durch Hans-Böckler-Stiftung im Forschungsschwerpunkt "Perspektiven der Arbeitsgesellschaft"
weitere Veröffentlichungen
Projektlaufzeit19 Monate in den Jahren 1996 und 1997
ErhebungszeitraumExplorative Studie 1995 in den VW-Werken in Hannover und Salzgitter; Erhebung der Empirie der vorliegende Studie 1996 (S. 72).
FälleBefragung von jeweils 12 Paaren in drei VW-Werken (insgesamt 72 Interviews) (S. 76).
AuswahlForschungsfeld: Volkswagen- Werke Emden, Hannover und Salzgitter. Auswahl der InterviewapartnerInnen nach zwei Kriterien: Männer sollten in der Produktion tätige Schichtarbeiter sein und die Befragten sollten mit mindestens einem Kind in betreuungsintensiven Alter (bis 10 Jahre) in einem gemeinsamen Haushalt zusammenleben (S. 75). "Die Auswahl des Samples erfolgte problemgeleitet und mithilfe der Vertrauenskörperleitungen und Betriebsräte der VW-Werke" (S. 76). Überblick über Sample S. 82ff.
ErhebungAusschließlich qualitative Studie: siehe Methodenkapitel S. 74ff.: 1.) qualitative Einzelinterviews mit 36 VW- Arbeitern und deren Lebensgefährtinnen, (mit einer Voruntersuchung insgesamt 96 Interviews, Fußnote 3; 2.) Gruppendiskussionen. Zu 1.): drei chronologische Befragungsperspektiven Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; problemzentriertes Interview; getrennte Befragung von Frauen und Männern; ein- zweistündiges Interview bei den Befragten zu Hause; Tandeminterviews; Interviewer waren ausschließlich Frauen. In einer Interviewmaske wurden die statistischen Daten erhoben (S. 76ff.) Zu 2.) 6 Gruppendiskussionen mit jeweils ca. 15-20 Vertrauensleuten (mit der Voruntersuchung insgesamt 260 ArbeiterInnen, Fußnote 3; Grundreiz aus Ergebnissen der Einzelinterviews und zusätzliche Reizargumente (S. 80ff.)
ForschungsgebietArbeitszeit; Arbeit/Familie; Arbeiter
FragestellungAllgemein wurde gefragt, welche Folgen neue arbeitszeitlichpolitische Konzepte auf die Lebensstile und außerbetrieblichen Lebenszusammenhänge der Angestellten haben können: Kann im Zusammenhang mit der 28,8- Stunden- Woche bei der VW AG eine Veränderung in der Alltagspraxis von Familien erwartet werden? (S. 71); Wie gehen Männer mit einer 'unfreiwilligen' Arbeitszeitreduzierung um? (S. 72) - Fokus war auf männlichen Schichtarbeitern (S. 72)
TheoriebezugVeränderungen familialer Lebensformen und Geschlechterrollen, sowie Wandel der Erwerbsarbeit (z.B. Beck 1986, Beck-Gernsheim 1990, Burkart/Kohli 1992; Baethge 1994); Wandel der Sozialstruktur (Hradil 1995, Vester 1993); Anknüpfung an das Konzept der "alltäglichen Lebensführung" von Voß (S. 40ff.)
ErgebnisseAuswirkungen der 28,8 Stunden-Woche (z.B. Leistungsintensivierung) (S. 157ff.). Es werden vier Typen familialer Lebensführung gebildet: Typus 1) Hierarchisch-resignative Lebensführung: Arbeitszeitverkürzung wird wegen dem Zugewinn an Freizeit von Männern begrüßt; auch Frauen befürworten die Verkürzung; Entspannung des Familienklimas; Kritik an Mehrarbeit an Wochenenden und Feiertagen (S. 166ff). Typus 2) Komplementär- harmonisierte Lebensführung: Anpassung an flexibilisierte Arbeitszeiten fällt aufgrund der strikten Trennung der Lebensbereiche und der einvernehmlichen Arbeitsteilung leicht, auch die Frauen richten ihre Hausarbeit nun auf eine Vier-Tage-Woche aus; grundsätzlich wird aber eher wieder eine Einführung der 35-Stunden-Woche gefordert und so auch die Mehrarbeit an Wochenenden etc. akzeptiert (S. 175ff.). Typus 3) Individualisiert pragmatische Lebensführung: eine kollektive Arbeitszeitverkürzung mit Lohnverzicht wird negativ bewertet, v.a. regelmäßige Wochenendarbeit; auch hier wir die 36- Stunden- Woche zurückgefordert (S. 184ff). Typus 4) Kooperativ- reflektierte Lebensführung: Stärkung des partiell egalitären Partnerschaftsmodells durch Vier-Tage-Woche, allerdings ist Wieder-Verlägerungen der Arbeitszeit ein 'Rückschritt', die aktuelle Arbeitszeitpolitik wird also als ungenügend bewertet (S. 193ff). Die Autoren bewerten die Einführung der 28,8- Stunden-Woche als eine Alternative zur männlichen Normalbiografie im Hinblick auf anhaltende Massenarbeitslosigkeit und der geschlechtlichen Arbeitsteilung. Allerdings wurde das Potenzial für weitergehende Beschäftigungseffekte nicht in allen Produktionsbereichen voll ausgeschöpft, lässt also noch Raum für Verbesserungen (siehe Schlussbetrachtung S. 215ff).
Erkenntnisziel"Ziel war dabei, die Arbeitszeitdiskussion aus ihrer teilweise ökonomischen Verengung herauszuführen und die Notwendigkeit von 'Zeitpolitik als Gesellschaftspolitik' zu verdeutlichen" (S. 10). Beitrag zur Analyse "binnenfamilialer Geschlechterverhältnisse" (S. 71).
SelbstdefinitionDer Begriff "Fallstudie" wird nicht verwendet. Stattdessen: "Qualitativer Methodenmix aus Einzelinterviews und Gruppendiskussionen" (S. 71)
MethodenbegründungDas methodische Vorgehen wird in einem Methodenkapitel eingehend dargestellt und begründet (Sample, Interviewkonzeption und Durchführung, Auswertung, Gruppendiskussion; S. 71ff.). Anlehnung an die grounded theory (Glaser/Strauss 1967, Witzel 1982). Es werden ausschließlich qualitative Methoden verwendet, insbesondere das "problemzentrierte Interview nach Witzel (1985). "Subjektorientierte Perspektive" (S. 71)
AuswertungAuch das Auswertungsverfahren wird im Methodenkapital detailliert dargestellt (S. 77ff.): Nach jedem Einzelinterview wurde ein Gedächtnisprotokoll angefertigt, außerdem wurden die Interviews auf Tonband aufgenommen und anonymisiert, 68 der 72 Interviews wurden transkribiert. Alle Interpretationen wurden in der gesamten Projektgruppe diskutiert um der selektiven Betrachtung entgegenzuwirken. Zur Auswertung wurde das Programm WINMAXprofessional benutzt. Die Interviews wurden für die Auswertung kategorisiert und systematisiert. Auswertung mittels "qualitativer Inhaltsanalyse" (nach Mayring 1994). Das Ergebnis dieses Auswertungsverfahrens waren Einzelfallanalysen und Fallvergleiche. Die Gruppendiskussionen wurden auf Tonband aufgenommen und zusätzlich der Diskussionsverlauf sowie nonverbale Kommunikation protokolliert.
FalldarstellungIm Text werden immer wieder Zitate der transkribierten Interviews verwendet. Außerdem werden im Kapitel II auf ca. 10 Seiten die Umsetzung der 28,8-Stunden-Woche in jedem der drei VW-Werke dargestellt (S. 56ff.). Beispiel einer Familie (S. 149ff.).
EingabeTUM

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