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Boes, A.; Trinks, K. (2006): Theoretisch bin ich frei! Interessenhandeln und Mitbestimmung in der IT-Industrie. Berlin: Edition Sigma.

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InstitutionInstitut für Sozialwissenschaftliche Forschung München ISF
ProjektbeteiligteBoes, Andreas; Trinks, Katrin; an unterschiedlichen Phasen beteiligt: Becker, Ellen; Kämpf, Tobias; Kratzer, Nick; Marrs, Kira
ProjektcharakterHBS-Projekt: Arbeitsbeziehungen in der IT-Industrie - Interessenhandeln der Beschäftigten (ARB-IT 2); Nachfolgeprojekt zu "Arbeitsbeziehungen in der IT-Industrie" (ARB-IT1)
weitere VeröffentlichungenBoes, A.; Kämpf, T.; Marrs, K. (2006): Zukunft der Arbeitsbeziehungen - Zwischen Atomisierung und neuer Solidarität. In: WSI-Mitteilungen, 59. Jg. , S. 98-103. Boes, A. (2006): Die wundersame Neubelebung eines vermeintlichen Auslaufmodells - IT-Beschäftigte und Mitbestimmung nach dem New-Economy-Hype. In: Artus, I.; Böhm, S.; Lücking, S.; Trinczek, R. (Hg.): Betriebe ohne Betriebsrat - Informelle Interessenvertretung in Unternehmen, Campus, Frankfurt/New York, S. 223-261. Boes, A. (2005): IT-Beschäftigte und Mitbestimmung nach dem New-Economy-Hype. In: FIfF Kommunikation, 22. Jg. , S. 12-19. Boes, A.; Trinks, K. (2005): Interessen und Interessenhandeln von IT-Beschäftigten in der Genderperspektive. In: Funder, M.; Dörhöfer, S.; Rauch, Ch. (Hg.): Jenseits der Geschlechterdifferenz?, Rainer Hampp Verlag, München/Mering, S. 283-304.
Projektlaufzeit2002-2004
ErhebungszeitraumMitte 2003 - Anfang 2004
Fälle6 Betriebe = 6 Fälle (A-F)
AuswahlÜbersicht über Betriebe auf Seite 72 (tabellarisch); Unternehmen aus der IT-Branche (Segmente Software, IT-Dienstleistungen, IT-Beratung); größtenteils börsennotiert zwischen 45 und 4000 Beschäftigten; nähere Details der Mitbestimmungsstrukturen finden sich auf S. 71
ErhebungDer konzeptionelle Kern der Fallstudien besteht aus Beschäftigteninterviews (insgesamt 39) und Experteninterviews (insgesamt 41). Detaillierte Auflistung des Samples siehe Übersicht Seite 73.
ForschungsgebietBetriebliche Arbeitsbeziehungen; Mitarbeiterpartizipation; Reorganisation; Industrielle Beziehungen
FragestellungAuf Seite 36 werden einige Fragestellungen formuliert, welche Kern der Untersuchung bilden sollen. U.a.: "Welche Interessen bestimmen das Interessenhandeln der Beschäftigten in der IT-Industrie? Welche Differenzen gibt es zwischen unterschiedlichen Beschäftigungsgruppen und Unternehmenstypen? Wie versuchen die Beschäftigten ihren Interessen Gehör zu verschaffen und sie durchzusetzen? Welchen Einfluss haben die institutionellen Strukturen kollektiver Interessenvertretung auf das individuelle Interessenhandeln einzelner Beschäftigtengruppen? Unterminiert die Bedeutungszunahme des individuellen Interessenhandelns das Prinzip der kollektiven Interessenregulation?" u.v.m. (S. 36)
TheoriebezugUmbruchprozess hin zu einer Ablösung des fordistisch-tayloristischen Produktionsmodells, besonders gut empirisch zu beobachten in der IT-Branche (Internationalisierung der Produktion, Netzwerkunternehmen, neue Managementformen, neue Arbeitsformen und Beschäftigtentypen). Zentrale Stichworte: "markzentrierter Kontrollmodus" (Dörre 2001, Röttger 2003, Boes 2003); "Formwandel in den Arbeitsbeziehungen" (Boes/Baukrowitz 2002); "neue Widerspruchskonstellationen und Suchprozesse bei den Beschäftigten" (Kotthoff 1997, Marrs/Boes 2003). Überlegungen zum "Interessenhandeln" (Kap. 2.2): Bezug u.a. auf: "neue Partizipationsformen als Institution" (Dörre 1996) (S. 37) vs. "Mitbestimmung aus Rationalitätsgründen" (Lepsius 1996) (S. 37); zur Analyse moderner Arbeitsbeziehungen ist die Ausarbeitung einer "interessentheoretischen Perspektive" (Schmidt/Trinczek 1999, Trinczek 2004) nötig. Grundthesen S. 40ff. Zum Begriff und Konzept von "Interesse" (Kap. 2.3): Trinczek 2004, Neuendorff 2004, Bourdieu 1982; Jürgens 1984: "Primärmachtpotenziale", "Sekundärmachtpotenziale".
ErgebnisseIn Kapitel 7 "Schlussbemerkungen: Wohin führen die Such- und Neuorientierungsprozesse der Beschäftigten und was bedeutet dies für die Zukunft der Arbeitsbeziehungen?" werden die Ergebnisse der Untersuchung aufbereitet: 1.) In den untersuchten Unternehmen findet eine "Zeitenwende" statt (d.h. extrem hohe Wachstumsraten und Boom gehören der Vergangenheit an, das Management muss sich auf veränderte Handlungssituationen einstellen). Damit einher gehen Neuorientierung und Suchprozesse der IT-Beschäftigten hinsichtlich ihrer Interessenidentität; 2.) Die Suche nach einer neuen kollektiven Interessendurchsetzung findet bisher nur wenig Niederschlag in der Unternehmensöffentlichkeit (wo der beitragsorientierte Leistungsträger weiterhin bestimmt), aber im Bewusstsein der Beschäftigten hat die bisherige Sozialordnung an Leitorientierung verloren. Dies wird als "Auseinanderdriften von Oberseite und Unterseite der Arbeitsbeziehungen" interpretiert (S. 307f.); 3.) Die "Neuorientierung" in der Interessenidentität der Beschäftigten zeigt sich nicht nur quantitativ in der Erosion der "beitragsorientierten Beschäftigten" und dem Anwachsen "arbeitnehmerorientierter Beschäftigter", sondern vor allem qualitativ in der Herausbildung eines "neuen Typus von Arbeitnehmerbewusstsein" über die Gruppen hinweg (S. 310). Diese Neuorientierung entsteht dabei durch aktiven Lernprozesse in Auseinandersetzung mit der Situation in den Unternehmen; 4.) Die Hauptauseinandersetzungsfelder in den Unternehmen sind der Kampf um betriebliche Anerkennungsordnungen (und nicht um Geld) sowie um Zeitautonomie, dabei wandeln sich die Sozialbeziehungen von der Gemeinschaft zum Interessengegensatz (S. 312ff.).
ErkenntniszielDer Anspruch der Studie bestand darin, "Arbeit und Arbeitsbeziehungen 'von unten nach oben', also ausgehend von den Erwartungen und Interessen der Beschäftigten und deren Handeln zur Durchsetzung ihrer Interessen zu analysieren" (S. 35). Dies geschah mit dem Ziel, aufgrund der Arbeit und den Arbeitsbeziehungen in der IT-Industrie nach "(...) generalisierbaren Entwicklungstendenzen und deren Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Systems der Interessenregulation" zu fragen (ebd.).
SelbstdefinitionAnalyse basiert auf "Fallstudien" und begleitenden Expertengesprächen (vgl. S. 71).
MethodenbegründungKapitel 3 "Untersuchungsdesign und methodisches Vorgehen" beschreibt die methodische Herangehensweise an die Untersuchung (Feld, Fallunternehmen und Befragte werden vorgestellt, siehe S. 72f.). "Im Mittelpunkt der Unternehmensfallstudien standen Interviews mit Beschäftigten. Die wichtigsten Beschäftigtengruppen, nämlich Entwickler, Berater, Servicetechniker, Rechenzentrumsfachleute, Vertriebsmitarbeiter, Mitarbeiter aus den administrativen Bereichen sowie Führungskräfte kommen hier zu Wort" (S. 71f.). Auf diese Weise können Arbeit und Arbeitsbeziehungen 'von unten nach oben' rekonstruiert werden. "Bei den Befragungen wurde ein methodisches Verfahren angewandt, das, inspiriert von der Methode des "problemzentrierten Interviews" (Witzel 1996), darauf zielt, in einen gemeinsamen Reflexionsprozess mit den Befragten zu kommen, um vorhandene Widerspruchs-, Problem bzw. Leidens- und Konflikterfahrungen der Befragten zu verstehen und deren Umgang damit im Sinne des individuellen Interessenhandelns am konkreten Beispiel der Aushandlungen im Arbeitsprozess zu reflektieren. Dieses Verfahren der schrittweise vertiefenden Reflexion erfordert ein empathisches Umgehen mit den Beschäftigten, um mit diesen gemeinsam in einen Reflexionsprozess über deren Interessen und Interessenhandeln zu kommen" (S. 73).
AuswertungDie Interviews wurden vollständig transkribiert und unter Nutzung von MaxQDa ausgewertet. Die erhobenen quantitativen Daten wurden mit SPSS ausgewertet.
FalldarstellungDie Fälle (Betriebe A-F) werden zunächst kurz einzeln vorgestellt (S. 70f.) (siehe auch Übersicht über die Unternehmen S. 72), anschließend in die Analysen eingebunden und nicht mehr separat betrachtet. Die Zitate lassen auf Transkription der Interviews schließen. An der Zitation der Ausschnitte sind die einzelnen Betriebe erkennbar.
EingabeTUM

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