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Veröffentlichung

Hüning, H.; Nickel H.M. (1998): Finanzmetropole Berlin. Strategien betrieblicher Transformation. Opladen: Leske und Budrich.

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InstitutionHumboldt Universität zu Berlin, Freien Universität Berlin
ProjektbeteiligteHüning, Hasko; Nickel, Hildegard Maria; Frey, Michael; Grüner, Silke; Peinl, Iris; Stock, Catrin; Struck-Möbbeck, Olaf; Wagner, Sandra
ProjektcharakterProjekt aus der zweiten Forschungs- und Förderphase der Kommission für die Erforschung des sozialen und politischen Wandels in den neuen Bundesländern e.V. (KSPW). Das KSPW wird aus Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) sowie des Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA) finanziert.
weitere Veröffentlichungen
Projektlaufzeit1993 und 1994
ErhebungszeitraumPilotstudie in den Sparkassen West- und Ostberlins 1991/92, Interviews der zweiten Untersuchung im Frühjahr 1994 und im Winter 1994/95
Fälle1 Fall = Landesbank Berlin
AuswahlLandesbank Berlin (LBB), in die Untersuchung wurden kontrastierend aber auch privatwirtschaftliche Unternehmen wie die Deutsche Versicherungs-AG und die Deutsche Bank AG (Filiale Berlin) einbezogen.
Erhebung1.) qualitative Interviews mit 28 Experten (Führungskräften), 2.) Dokumentenanalyse, um die institutionellen Handlungsbedingungen zu erheben; 3.) leitfadengestützte Gespräche mit 35 Beschäftigten, um individuelle Handlungsoptionen herauszuarbeiten; 4.) Sekundäranalysen von Massendaten. Sparsamer, aber dem Grundsatz folgend, wurde auch in den kontrastierenden Fallanalysen vorgegangen: Dokumentenanalysen, 15 leitfadengestützte Interviews. "Neben den Bemühungen, die Ergebnisse intern zu validieren, erfolgte eine externe kommunikative Gültigkeitsprüfung, indem Arbeitsergebnisse einem Teil der Informanten auf Workshops im Sommer 1994 und 1995 präsentiert wurden“ (S. 23).
ForschungsgebietReorganisation; Unternehmensstrategie; Arbeitsorganisation; Betriebsorganisation; Arbeitspolitik
FragestellungEs werden betriebliche Transformations- und Integrationsprozesse vor dem Hintergrund der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland am Beispiel der LBB untersucht: "In den Betriebsfallstudien wurden zum einen die Unternehmensstrategien im Prozeß der deutschen Vereinigung untersucht; dafür war von besonderem Interesse wie sich die ost-westliche und auch geschlechtliche Strukturierung von Beschäftigung gestalten. Zum anderen war die Frage nach den Handlungsstrategien und -optionen von betrieblichen Akteuren zentral, denn im Aushandlungsprozeß zwischen Management, betrieblicher Interessenvertretung, Beschäftigtengruppen und einzelnen ArbeitnehmerInnen entscheidet sich auf der betrieblichen Ebene, welche Beschäftigungsmuster sich letzten Endes durchsetzen" (S. 21).
TheoriebezugHintergrund der Untersuchung ist der ökonomische Transformationsprozess im Osten Deutschlands, der in einen modernisierenden Strukturwandel der westlichen Industriestaaten eingebettet ist (Lutz 1993) (S. 13).
ErgebnisseDie Untersuchungsergebnisse der Transformation monetärer Dienste werden in Form von sechs Thesen zusammengefasst (S. 299ff.): 1.) "Auch unter sozusagen optimalen Bedingungen kam es zu Friktionen und nichtintendierten Entwicklungen, die im Rückblick als integrale Momente von Transformationen zu begreifen sind" (S. 299); 2.) "Die Untersuchung insgesamt zeigt, daß der (betriebliche) Transformationsprozeß im Zeitverlauf strukturiert war: Der deutsche Vereinigungsprozeß eröffnete zunächst enorme Gestaltungsräume, insbesondere für das Management, die entlang von jeweiligen Unternehmensphilosophien sehr unterschiedlich ausgefüllt wurden" (S. 300). Spannungsmomente durch gesellschaftlichen bzw. politischen Transformationsdruck; 3.) Befunde können als Anzeichen einer Verstärkung von Differenzen entlang der traditionellen Ungleichheitsmerkmale interpretiert werden; 4.) Durch die mit Restrukturierungsprozessen zusammenhängenden Anforderungen (z.B. "Selbstunternehmertum" begann ein Generationenkonflikt die Ost-West-Unterschiede zu überlagern; 5.) Die Erwerbsarbeit von Frauen wird ohne politische Intervention und soziale Regulierung in gesellschaftlichen Umbruchs- und Krisenzeiten auch in diesem noch relativ prosperierenden Sektor nicht so ohne weiteres zu verstetigen sein, weder für Ost- noch für West-Frauen; 6.) Auch nach abgeschlossenen Integrationsprozessen wurden von Ost-Beschäftigten häufig ein sog. 'Diaspora-Effekt' beschrieben: "Teilweise überbetonten sie selbst ihre Identität als "Ossis", teilweise - was die andere Seite der Medaille ist - versuchten sie, nach außen unerkannt zu bleiben und sich damit bestimmter Zuschreibungen zu entziehen" (S. 306). Fazit der Untersuchung: die soziale und kulturelle Seite des Integrationsprozesses ist noch längst nicht bewältigt (S. 306).
Erkenntnisziel"Wir hoffen, mit dem vorliegendem Ergebnis die Diskussion zwischen betrieblicher Praxis und sozialwissenschaftlicher Forschung weiterhin in Gang zu halten, denn der betriebliche Transformations- und Integrationsprozess ist, wie die hier zur Debatte stehenden Befunde zeigen, weder als praktischer Prozess in den Unternehmen abgeschlossen, noch ist er in der wissenschaftlichen Reflexion bewältigt“ (S. 12).
Selbstdefinition"Betriebsfallstudie“ (S. 11)
MethodenbegründungDer Analyse betrieblicher Transformation "(...) wurde am ehesten ein qualitativer, im Fortgang der Forschung sich entwickelnder und fließender Forschungsansatz gerecht. (...) Methodisch haben wir also einen Weg gewählt, der quer zur „gespaltenen Sozialwissenschaft“ (Mayntz 1994) liegt. Es wurde versucht, die Ebene des ‚Institutionentransfers’ mit der Ebene der individuellen ‚sozialen Lage, Einstellungen und Verhaltensweisen’ (ebenda) von Beschäftigten zu verknüpfen und Interdependenzen zwischen beiden Ebenen, der institutionellen und der handlungsanalytischen, deutlich zu machen“ (S. 20). "Betriebsfallstudien sind keine spezielle Methode der empirischen Sozialforschung, sondern ein Forschungsansatz im Sinne einer ‚vielschichtigen methodischen Vorgehensweise’ (Hartfiel). Damit steht der Betriebsfallstudie der gesamte sozialwissenschaftliche Methodenkasten, also unterschiedlichste Erhebungs- und Auswertungsmethoden zur Verfügung. (...) In der vorliegenden Untersuchung ist die Landesbank Berlin (LLB) mit ihren 8.000 Beschäftigten ‚der’ Betriebsfall (...). Der Hauptuntersuchungsgegenstand Landesbank Berlin wurde durch andere Fälle kontrastiert“ (S. 22). Zur Tragfähigkeit von durch Fallstudien gewonnenen Befunden schreiben die Autoren: "Die Gültigkeit eines Einzelfalls ergibt sich aus der Erfassung seiner Komplexität“ (S. 23).
AuswertungHäufige Zitate lassen auf Transkription der Interviews schließen, ansonsten keine expliziten Angaben zur Auswertung.
FalldarstellungDie Betriebsfallstudie Landesbank Berlin (LBB) wird ausführlich auf ca. 200 Seiten dargestellt. Auch die beiden anderen Kontrastfälle, die Deutsche Bank AG und die Allianz werden einzeln vorgestellt und behandelt.
EingabeTUM

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